Baseball from Outer Space

Abseits der Pfade

Der zweite Beitrag des „Abseits der Pfade“-Blogs führt uns an die italienisch-slowenische Grenze in den Karst von Triest. Eine urwüchsige Landschaft, die nicht nur fantastische charaktervolle Weine hervorbringt. Auch der (meiner Meinung nach) beste luftgetrocknete Schinken Italiens – der sogenannte Prosciutto di Carso - wird hier von kleinen Produzenten in liebevoller Handarbeit hergestellt.

In dieser unberührten Landschaft, wo sich u.a. die größte Schauhöhle der Welt (Grotta Gigante), etliche hunderte Meter in das Erdinnere reichende Karstschluchten (sogenannte Foiben) aber auch gut versteckte Soldatenfriedhöfe aus dem 1. Weltkrieg befinden, begebe ich mich immer wieder gerne auf Entdeckungsreise, da hier die Zeit stehengeblieben zu sein scheint und hier noch viele unentdeckte Geheimnisse auf den interessierten Sucher warten.

Oftmals fühlt sich der Reisende beim Durchqueren dieses Landstrichs um Jahrzehnte zurückversetzt, so spurlos scheinen die letzten Jahre an dieser Gegend vorbeigezogen zu sein. Hier, zwischen den Ortschaften Opicina und Prosecco, stieß ich bereits vor geraumer Zeit durch Zufall auf ein verlassenes, aber großteils intaktes Baseball-Stadion. Nein kein Fussball- oder Tennisplatz (Sportarten, die hier eher praktiziert werden), sondern ein waschechtes Baseball-Stadion verfällt hier inmitten der Einöde von Jahr zu Jahr mehr.

In den Flutlichtmasten befinden sich sogar noch (scheinbar intakte) Glühbirnen und nur der Wind, der über das brusthohe Gras auf dem ehemaligen Spielfeld streicht, durchbricht die gespenstische Stille, die diesen Ort wie ein Mantel umhüllt. Diese mit Worten nur sehr schwer definierbare Aura zieht mich bei jedem Besuch immer wieder in ihren Bann und den meisten, denen ich von diesem versteckten Flecken erzählte, erging es ebenso.

Es hat halt schon was ganz Eigenes, wenn man ganz sanft mit den Fingerspitzen über die Grasspitzen streift, während man das zugewachsene Spielfeld durchforstet oder auf den leeren Rängen sein imaginäres Baseball-Match im Kopf ablaufen lässt. Den Ausblick auf den in unmittelbarer Nähe befindlichen slowenischen Karst inbegriffen. Dabei stetig das Gefühl im Hinterkopf, der letzte Mensch auf diesem Planeten zu sein. Aber seht selbst.

Der (zugegeben etwas fordernde) Soundtrack zu dem Clip „Cold Dream from an Earth Star“ stammt von Coil und spiegelt für mich die Stimmung wider, die ein Außerirdischer empfinden könnte, wenn er zufällig auf diesem Fleckchen Erde landen würde.

Einige Kilometer von diesem Schauplatz entfernt befindet sich jenseits der Grenze das slowenische Örtchen Tomaj, wo es die besten Obst- und Gemüse-Marmeladen weit und breit zu kaufen gibt. Der Abstecher nach Tomaj lohnt sich auf jeden Fall, um den „konzentrierten slowenischen Küstensonnenschein“ (O-Zitat Vojka), der 6mal so hoch ist wie bei anderen Marmeladen oder Konfitüren, zu genießen. 

Vojka und Jurij produzieren hier schon seit einigen Jahren per Hand gerührte, traumhafte Eigenkreationen, wie z.B. „Quitten-Pfirsich-Apfel-Zwetschken-Muskatnuss“-Marmelade oder „Rote Beete-kandierte Papaya-Zimt-Kardamom“-Marmelade, die sie unter dem Banner Beatrice Mmmarmeladen“ feil bieten.

So und flugs jetzt ab an den Herd. Ich habe irgendwie Gusto mir hauchdünne in brauner Butter geschwenkte Palatschinken mit "Kaki-Marillen-Rum-Marmelade" in die Pfanne zu schupfen. Dazu ein kühles Gläschen Verduzzo 2007 von der Az. Agr. Scubla und der Himmel hängt voller Geigen. Bis in Bälde...

A Presto!

Einen Freund auf diesen Artikel hinweisen !

Folgen 210 Interessierte folgen dem Blog.

Einen Kommentar schreiben

1 Kommentare

Kommentar von Elisabeth Hofbauer |

Es ist schon schade, was so alles still und leise verfällt. Ein Baseball-Stadion ist wirklich etwas, das man im Karst-Gebiet nicht erwartet. Schön, dass Wolfgang Salomon das dokumentiert und uns mitleben lässt. Die Stimmung kommt wie immer authentisch rüber: Unkraut, das sprießt, Metall, das rostet, imaginäre Baseball-Spiele, die heisst umkämpft werden - ich sehe es vor mir, sitze auf der Tribüne, und denke an ... die In Butter geschwenkten Palatschinken! Wie kann der Autor das nur um 20 Uhr schreiben? Wo kriege ich jetzt die Mmmarmelade her? Danke schön! Wie weit darf Stimmungsvermittlung eigentlich gehen? Jedenfalls weiss ich, wo ich mal hin will und was ich dort kaufen werde! Für alle Fälle, wenn mal wieder so ein mitreissender Blog kommt!